Zwischen Fernweh und Zweifel – meine geplante Motorradtour durch Südosteuropa
Manchmal beginnt eine Reise nicht mit dem ersten Kilometer auf dem Tacho, sondern mit einem Gedanken. Einer Idee, die sich langsam festsetzt, wächst, konkreter wird – und gleichzeitig Zweifel mit sich bringt. Genau an diesem Punkt stehe ich gerade.
Die Route – ein grober Plan mit vielen Höhepunkten
Starten würde ich in Richtung Süden, über Coburg weiter nach Prag und dann nach Bratislava. Von dort aus geht es weiter nach Graz, bevor ich mich langsam Richtung Balkan orientiere.
Ein erster landschaftlicher Höhepunkt wäre die slowenische Grenzkammstraße – eine Strecke, die schon länger auf meiner Liste steht. Von dort aus soll es weiter nach Italien gehen und anschließend hinunter an die kroatische Küste. Die legendäre Küstenstraße entlang der Adria, vorbei an Zadar bis nach Dubrovnik, verspricht Fahrspaß mit spektakulären Ausblicken.
Doch damit wäre die Reise noch lange nicht zu Ende. Weiter südlich führt mich der Plan nach Tirana, durch Nordmazedonien bis nach Thessaloniki in Griechenland.
Und dann steht die nächste Entscheidung an: Drehe ich von dort aus Richtung Bulgarien ab – über das beeindruckende Rhodopengebirge? Oder wage ich den zusätzlichen Abstecher bis nach Istanbul? Allein dieser Gedanke hat seinen ganz eigenen Reiz. Allerdings gibt es von Griechenland zur Türkei tatsächlich nu
2 Grenzübergänge für Fahrzeuge und es ist mit langen Wartezeiten zu rechnen.
Sollte ich mich für Bulgarien entscheiden, wartet dort ein ganz besonderes Ziel: das berühmte Busludscha Monument – ein Relikt aus der Sowjetzeit, das aussieht wie ein gelandetes UFO. Ein Ort, der gleichermaßen fasziniert und nachdenklich macht.
Anschließend würde es nach Rumänien gehen, zu drei der bekanntesten Motorradstrecken Europas:
– die Transfagarasan in den Südkarpaten
– die Transalpina, ebenfalls ein spektakulärer Hochgebirgspass in den Südkarpaten
– und die weniger bekannte Transapuseniana im Apuseni-Gebirge, nahe Cluj-Napoca
Gerade die Transfăgărășan gilt als eine der schönsten Straßen der Welt – aber sie hat auch ihre Tücken: Sie ist in der Regel erst ab Ende Juni geöffnet. Das bedeutet für meine Planung: Vorher dort anzukommen, wäre sinnlos.
Von Rumänien aus würde mich die Route über Ungarn, die Slowakei (mit einem Abstecher nach Poprad am Fuße der hohen Tatra wo ich letztes Jahr schon mal war und meinen besten Burger jemals gegessen habe), weiter nach Tschechien mit einem Halt in Budweiß und schließlich über Bamberg wieder nach Hause führen.
Soweit zumindest der Plan.
So beeindruckend sich das alles anhört – ich bin ehrlich: Ich weiß noch nicht, ob ich diese Reise wirklich antreten werde.
Es sind mehrere Faktoren, die mich zögern lassen:
– Die schiere Länge der Strecke
– Die körperliche Belastung
– Unwägbarkeiten wie Wetter und Verkehr
– Und nicht zuletzt die Frage, wie sich die aktuellen Spritpreise entwickeln
Hinzu kommt die zeitliche Herausforderung: Fahre ich zu früh los, sind wichtige Strecken wie die Transfăgărășan noch gesperrt. Starte ich zu spät, droht mir im Süden Europas eine Hitze, die das Fahren zur Belastung machen kann.
Ausserdem hab ich natürlich auch etwas Schiss vor dem eigenen Mut so ganz alleine.
Vielleicht ist es am Ende gar nicht entscheidend, ob ich diese Route exakt so fahre. Vielleicht geht es vielmehr darum, sich diese Möglichkeit offen zu halten. Zu planen, zu träumen – und dann zu sehen, was wirklich passt.
Denn genau das ist es doch, was das Motorradfahren für mich ausmacht: Freiheit. Auch die Freiheit, Pläne wieder zu verwerfen oder spontan zu ändern.
Und wer weiß – vielleicht sitze ich ja schon bald im Sattel und denke mir: Warum habe ich eigentlich so lange gezögert?
Aber vielleicht bleibe ich ja auch nur in der „Nähe“.