Brünn, Bratislava, Gratz

Die Fahrt von Prag nach Brünn verlief zwar leicht feucht, aber insgesamt völlig problemlos. Nervig waren lediglich die rund 45 […]

Die Fahrt von Prag nach Brünn verlief zwar leicht feucht, aber insgesamt völlig problemlos. Nervig waren lediglich die rund 45 Minuten, die ich im dichten Verkehr und zwischen zahlreichen Baustellen benötigte, um überhaupt aus Prag herauszukommen.

Danach wurde die Strecke deutlich angenehmer. Die Landschaft war abwechslungsreich, die Straßen gut ausgebaut und insgesamt ließ sich die Route entspannt fahren.

Mein Hotel in Brünn wurde bereits 1964 eröffnet und ist bis heute ein gewaltiger Betonklotz, wie man ihn aus dieser Zeit kennt. Die imposante Empfangshalle und auch das Restaurant beziehungsweise der Frühstücksraum versprühten noch immer den Charme vergangener Jahrzehnte. So ungefähr stellt man sich ein großes Hotel in der sozialistischen Tschechoslowakei vor – inklusive der Uniformen des Servicepersonals.

Das Frühstück war allerdings eine echte Überraschung. Es gehörte ohne Zweifel zu den besten Hotel-Frühstücken, die ich jemals erlebt habe. Die Auswahl an hochwertigen warmen und kalten Speisen war riesig. Omeletts und andere Eierspeisen wurden frisch vor den Gästen zubereitet. Hier blieben wirklich keine Wünsche offen.

Die historische Altstadt von Brünn war in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Als zweitgrößte Stadt Tschechiens steht sie oft im Schatten Prags, besitzt aber ihren ganz eigenen Charme. Die Innenstadt wirkte gepflegt und angenehm belebt. Im Vergleich zu Prag war sie deutlich weniger überlaufen, allerdings auch nicht ganz so spektakulär.

Am nächsten Morgen wollte ich direkt von Brünn in die Slowakei fahren. Die Route war bereits geplant, doch noch innerhalb von Brünn berechnete das Navi eine neue Strecke. Ohne dass ich es zunächst bemerkte, wurde ich komplett umgeleitet und fuhr plötzlich über Österreich statt direkt in die Slowakei.

Gegen 13 Uhr erreichte ich schließlich meine Unterkunft in Bratislava – ein Hotelschiff beziehungsweise Partyboot direkt gegenüber der Altstadt. Der Check-in war allerdings erst für 16 Uhr vorgesehen.

Immerhin konnte ich mein Gepäck hinter einem Vorhang auf einer Bühne deponieren und mich dort umziehen. Anschließend war ich innerhalb weniger Minuten über die benachbarte Brücke in der Altstadt von Bratislava.

Vorher nutzte ich noch die Sanitäranlagen der Gastronomie auf dem Hotelschiff. Dort zeigte sich allerdings bereits, dass nicht alles optimal lief. In der Urinalrinne war kein Wasser zum Nachspülen vorhanden, ebenso kam aus dem Waschbecken kein Wasser. Die Flüssigseife musste ich schließlich mit Papiertüchern von den Händen entfernen.

Die Altstadt von Bratislava entschädigte dafür sofort. Sie präsentierte sich wunderschön und ausgesprochen sehenswert. Gleichzeitig war sie aber auch stark vom Tourismus geprägt. Entlang der Donau lagen zahlreiche Flusskreuzfahrtschiffe, und überall versuchten Reiseführer mit Fähnchen ihre Gruppen zusammenzuhalten.

Da bis zum Check-in noch Zeit blieb, beschloss ich, das berühmte „UFO“ zu besuchen. Die markante Aussichtsplattform befindet sich auf dem schrägen Pylon der SNP-Brücke und gehört zu den Wahrzeichen Bratislavas. Schon die Fahrt mit dem Aufzug ist ungewöhnlich, da dieser nicht nur nach oben, sondern aufgrund der Konstruktion auch seitlich verläuft – ein ziemlich seltsames Gefühl.

Die Eintrittskarte kostete 12,50 Euro, aber die Aussicht war jeden Cent wert. Der Blick über die Donau, die Altstadt und die Umgebung war fantastisch. Hätte ich diesen Abstecher ausgelassen, hätte ich mich später sicherlich geärgert.

Kurz vor 16 Uhr konnte ich schließlich einchecken. Mein Zimmer befand sich in einem umgebauten 20-Fuß-Seecontainer. Oberhalb der Veranstaltungsfläche des Schiffes wurden mehrere Container zu Hotelzimmern ausgebaut. Eine originelle Idee, die für eine Übernachtung auf der Donau erstaunlich gut funktionierte. Das Klappbett war bequem, und auch der Rest des Zimmers machte einen durchdachten Eindruck.

Lediglich das WLAN war extrem langsam.

Beim Abendessen bestellte ich einen Grillteller. Geschmacklich war das Essen durchaus gut, allerdings kam das Fleisch kalt auf den Tisch, während lediglich das Gemüse warm war. Meine Kritik wurde zwar zur Kenntnis genommen, Konsequenzen hatte sie aber keine.

Das im Preis enthaltene Frühstück am nächsten Morgen war dann allerdings eine echte Enttäuschung.

Auf der Karte konnten verschiedene Frühstücksvarianten ausgewählt werden. Übersetzt war jedoch lediglich die Überschrift. Das Personal war auch nicht bereit oder in der Lage, mir zu erklären, was sich hinter den einzelnen Angeboten verbarg.

Letztlich war mir das egal. Ich hatte Hunger und esse grundsätzlich fast alles. Also zeigte ich einfach auf eines der Frühstücke.

Etwa 20 Minuten später erhielt ich zusammen mit einem Kaffee ein kleines Stück warmen Blechkuchen mit einer fast vollständig geschmolzenen Kugel Vanilleeis.

Zunächst war ich überzeugt, dass es sich lediglich um eine Art Gruß aus der Küche handeln müsse und mein eigentliches Frühstück noch folgen würde. Also wartete ich weiter.

Als ich schließlich nachfragte, wurde mir mitgeteilt, dass das bereits das komplette Frühstück gewesen sei.

So etwas habe ich noch nie erlebt. In jedem anderen Hotel wäre ein solcher Kuchen höchstens eine zusätzliche Beilage am Frühstücksbuffet gewesen – meist sogar in mehreren Varianten.

Unfassbar.

Hungrig und etwas verärgert machte ich mich anschließend auf den Weg nach Graz.

Die ersten Kilometer verliefen eher unspektakulär. Dazu kam ein kräftiger Seitenwind, der die Fahrt nicht gerade angenehmer machte. Später wurde die Strecke jedoch zunehmend hügeliger und kurvenreicher. Ab diesem Zeitpunkt machte das Fahren wieder richtig Spaß, selbst wenn das Thermometer teilweise nur noch 10 Grad anzeigte.

Graz gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Die steirische Landeshauptstadt besitzt eine hervorragend erhaltene Altstadt, die sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Historische Gebäude, enge Gassen und zahlreiche Plätze verleihen der Stadt ein besonderes Flair.

Morgen geht es weiter nach Slowenien. Ich bin gespannt, welche Eindrücke die nächste Etappe meiner diesjährigen Mopedtour bereithält.

Hôtel Continental Brünn
Restaurant Hotel Continental Brünn
Wohncontainer Bratislava
Aussicht vom Hotelschiff
UFO Bratislava
Graz
Graz
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