Von Albanien über Nordmazedonien nach Bulgarien
Nach drei Tagen Pause ging es von der Adria durch das albanische Hinterland nach Bitola in Nordmazedonien.
Überrascht war ich, im Hinterland uralte, völlig verrostete Ölpumpen zu entdecken. Noch erstaunlicher war allerdings, dass diese tatsächlich noch in Betrieb waren.
Das albanische Hinterland ist teilweise sehr bergig und straßentechnisch nur mäßig erschlossen. Im Landesinneren gibt es eine große Beckenlandschaft, die man nicht einfach durchqueren kann, sondern großräumig umfahren muss.
Mein Motorrad-Navi kam damit allerdings überhaupt nicht zurecht und führte mich – natürlich bei 37 Grad – mitten hinein. Dort wollte es mich über eine 26 Kilometer lange Strecke mit grobem Schotter und extremen Steigungen schicken. Mit meiner V-Strom und dem Gepäck kam das für mich nicht infrage. Auch Einheimische rieten dringend davon ab. Also kehrte ich um. Das Navi wollte diese Entscheidung allerdings nicht akzeptieren und bestand hartnäckig auf seiner Route. 🙄
Also musste zusätzlich Google Maps herhalten. Leider wurden Ortsnamen und Ziele in beiden Navigationssystemen unterschiedlich dargestellt, was die Orientierung nicht gerade erleichterte. Zu allem Überfluss war die neu geplante Strecke teilweise gesperrt, sodass erneut umgeplant werden musste.
Irgendwann erreichte ich dann doch die andere Seite des Beckens und wurde mit zwei wunderschönen Passstraßen belohnt, die ich fast für mich allein hatte.
Albanien ist für mich das Land der tausend Tankstellen – und der unzähligen fiesen Straßenschwellen. In kleineren Dörfern bestehen diese teilweise sogar nur aus einem dicken Tau, das quer in die Fahrbahn eingelassen wurde.
Am Grenzübergang nach Nordmazedonien interessierte sich der Grenzbeamte eigentlich nur für meine Grüne Versicherungskarte. Er grinste bereits, als ich sie nicht sofort vorzeigen konnte. Ich wusste allerdings schon, dass an diesem Übergang besonders darauf geachtet wird. Ein wenig enttäuscht wirkte er dann doch, als ich die Karte schließlich präsentierte. 😁
Insgesamt standen an diesem Tag rund 400 Kilometer und etwa neun Stunden reine Fahrzeit auf dem Programm – so war das nicht geplant.
Das Hotel im Zentrum von Bitola war gut, ebenso das Restaurant am Abend und das Frühstück am nächsten Morgen.
Weiter nach Griechenland
Am nächsten Tag ging es weiter nach Serres in Griechenland. Griechenland hatte ich bislang ebenfalls noch nie bereist.
Vor der Grenze konnte ich in Nordmazedonien noch einmal deutlich günstiger tanken – rund 60 Cent pro Liter weniger als später in Griechenland. Nach etwa 20 Minuten waren die Grenzformalitäten erledigt.
Danach lief auch die Navigation wieder deutlich besser. Die Strecke führte über traumhafte Passstraßen in Nordgriechenland, teilweise oberhalb der Baumgrenze. Während im Tal Temperaturen von rund 36 Grad herrschten, waren es dort oben angenehme 19 Grad.
Bei einem Fotostopp hatte ich dann sogar eine besondere Begegnung: Zum ersten Mal sah ich einen Bären in freier Wildbahn. Zum Glück machte er sich schnell aus dem Staub – und ich anschließend auch. 😅
Die Landschaft Nordgriechenlands hat mich beeindruckt. Gebirgszüge wechseln sich mit weiten Ebenen ab und sorgen ständig für neue Ausblicke.
Nach etwa sechs Stunden erreichte ich Serres und konnte mich erst einmal im Hotelpool abkühlen.
Das Hotel selbst konnte allerdings nicht überzeugen. Das Abendessen war eher grenzwertig, die Sauberkeit ließ zu wünschen übrig und lediglich die Dame beim Frühstück war ein echter Sonnenschein. Das Frühstück selbst war dagegen durchaus gelungen.
Durch die Rhodopen nach Bulgarien
Über die Rhodopen führte mich die Route schließlich nach Plovdiv in Bulgarien.
Bereits in Vlora hatten mich andere Motorradfahrer vor einer hohen Polizeipräsenz in Bulgarien gewarnt. Diese Warnungen bestätigten sich schnell. Zum Glück hatte ich keinen Zeitdruck und konnte die Geschwindigkeitsbegrenzungen entspannt einhalten.
Im Gebirge herrschten über viele Stunden angenehme Temperaturen zwischen 20 und 22 Grad. Dazu kam ein kurzer Regenschauer. Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig, am Straßenrand von der Motorradjeans in die Gore-Tex-Hose zu wechseln. Das muss für vorbeifahrende Autofahrer vermutlich recht unterhaltsam ausgesehen haben. 😬
Über weite Strecken galten Geschwindigkeitsbegrenzungen von 20, 30, 40 oder maximal 60 km/h sowie durchgehende Überholverbote. Für viele Straßen in Bulgarien wird eine Maut beziehungsweise Vignette erhoben. Motorräder sind jedoch von der Vignettenpflicht ausgenommen. Angesichts der teilweise sehr tiefen Schlaglöcher fragt man sich allerdings gelegentlich, wofür die Gebühren verwendet werden.
Je näher ich Plovdiv kam, desto wärmer wurde es wieder. In der Ebene zeigte das Thermometer erneut 36 Grad.
Gebucht hatte ich im Grand Hotel Plovdiv. Das Hotel macht schon Eindruck – auch wenn natürlich dort ebenfalls nur mit Wasser gekocht wird. 😆
Trotz der Hitze machte ich noch einen kleinen Spaziergang in die Innenstadt und wurde positiv überrascht. Die Atmosphäre war angenehm, die Altstadt wirkte sehr lebendig und das kulinarische Angebot konnte sich ebenfalls sehen lassen. Mein erster Eindruck von Plovdiv ist durchweg positiv. Zudem liegen die Preise deutlich unter deutschem Niveau.
Im Nachhinein schade, dass ich hier nur eine Nacht eingeplant habe.
Das Grand Hotel ist bislang das beste Hotel dieser Reise, auch wenn es kleinere Schwächen gibt. Zum ersten Mal überhaupt hatte ich ein Hotel mit Portier. 😳 Zum Glück, denn beim Thema Parken hatte ich zunächst nicht wirklich verstanden, wie das Ganze funktioniert. 😵💫 Der Portier hat mir dabei sehr geholfen.
Jetzt bleibt nur noch eine Frage offen:
Wie wird wohl das Frühstück sein? 🤗



